Als Architekt gehört das Präsentieren von Entwürfen genauso zum Alltag, wie die Erstellung dieser. Ob Jurymitglied, Auftraggeber, Baupartner oder die Öffentlichkeit – bei keinem Projekt kommen Architekten daran vorbei, andere von ihren Ideen zu überzeugen.

Doch obwohl es an spannenden Inhalten nicht fehlt und bereits während des Studiums erste Erfahrungen mit der Thematik gemacht werden, kommt es immer wieder vor, dass gute Lösungsansätze untergehen, weil es an der richtigen Vermittlung dieser mangelt. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, worauf es bei einer gelungenen Entwurfspräsentation ankommt und die Ergebnisse anhand von 8 Tipps zusammengefasst.

Tipp 1: Auf die Zielgruppe eingehen

Zu den wesentlichen Aspekten der Vorbereitung gehört das Erfassen des jeweiligen Publikums. Dieses kann von erfahrenen Fachkräften bis hin zu unerfahrenen Bauherren reichen, die eine andere Sprache sprechen und mit einem anderen Blickwinkel auf das Projekt schauen. Mit letzterem Fall setzt sich die Experten-Laien-Kommunikation auseinander. Indem beide Parteien Ihren Wissensunterschied anerkennen und sich entsprechend aufeinander zubewegen, lassen sich Unstimmigkeiten, Fehlinterpretationen und Konflikte vermeiden.

Stellen Sie sich im Vorfeld Ihrer nächsten Präsentation deshalb die Frage, was und wen Sie mit dieser erreichen möchten und gehen Sie auf die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe ein. Die Inhalte sind so aufzubereiten, dass das Publikum diesen problemlos folgen kann und nicht ein Gefühl von Unwissenheit oder gar Unterlegenheit entsteht. Das Ergebnis: Aufmerksame Zuhörer, die sich mitgenommen fühlen.

Tipp 2: Neuer Vortrag, neues Medium

Gerade in der Architektur gibt es unzählige Möglichkeiten einen Entwurf darzustellen. Während einige Büros auf klassische Medien, wie Papierplan oder Modell schwören, stehen bei anderen Technologien wie Virtual Reality oder aufwendig zusammengeschnittene Animationsfilme hoch im Kurs. Wer jedoch glaubt, bei jedem Vortrag die gleiche Herangehensweise wählen zu können, wird schnell vom Gegenteil überzeugt. So eignet sich der Einsatz VR-Brillen bei städtebaulichen Projekten nur bedingt. Hier lässt sich das ausgearbeitete Konzept durch ein Massenmodell beispielsweise besser und schneller darstellen.

Machen Sie sich bei Ihrer nächsten Präsentation deshalb ganz gezielt auf diese Suche nach dem geeigneten Medium und seinen Sie offen, Neues auszuprobieren. Spannend ist in diesem Zusammenhang auch die Bedeutung bzw. der Einfluss von Maßstäben bei Grundrissen. Mit diesem Thema setzen sich Ansgar und Benedikt Schulz in Ihrem Buch Perfekt Scale auseinander, das unbedingt zu empfehlen ist.

Tipp 3: Mit Storytelling im Gedächtnis bleiben

Unter Storytelling ist eine Erzählmethode zu verstehen, bei der Daten, Zahlen und Fakten in Form von Metaphern präsentiert werden. Durch den Einsatz einer bildlichen Sprache sollen Emotionen geweckt, die Aufmerksamkeit erhöht und Erinnerungen geprägt werden. Oder um es mit Jorge Bucay zu sagen: „Kindern erzählt man Geschichten, damit Sie einschlafen, Erwachsenen damit sie wach bleiben.“

Versuchen Sie bei Ihrer nächsten Entwurfspräsentation eine Geschichte um Ihr Konzept zu bauen und die Zuhörer so in den Bann zu ziehen. Dies können beispielsweise fiktive Anwendererzählungen oder aber auch eine Beschreibung des Findungsprozesses – mit all seinen Problemen, Hürden und Erfolgen – sein. Hauptsache Sie lösen Spannung aus und haben mehr als trockene Daten und Fakten zu bieten.

Tipp 4: Zu 100 % vom Inhalt überzeugt sein

Dieser Tipp ist eigentlich selbstverständlich. Und doch kommt es immer wieder vor, dass Inhalte vorgetragen werden, von denen die Urheber selbst nicht zu 100 % überzeugt sind. Dies kann eine nicht begünstigte Variante oder der auf den letzten Drücker fertiggestellte Lösungsansatz sein, der den eigenen Anforderungen nicht gerecht wird. Dieses Gefühl lässt sich allerdings meist nur schwer verbergen. Stattdessen bekommen die Zuhörer hiervon meist schnell Wind und schalten entsprechend ab.

Präsentieren Sie deshalb unter keinen Umständen Entwürfe mit denen Sie sich nicht identifizieren können bzw. mit denen Sie nicht identifiziert werden wollen. Hierfür spricht auch das Phänomen, dass sich der Kunde für die bei einem selbst unbeliebteste Option entscheidet. Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen und präsentieren sie nur solche Entwürfe, auf deren Umsetzung Sie sich anschließend freuen.

 

Tipp 5: Auf das Wesentliche konzentrieren

Selbst bei einem interessanten Thema ist irgendwann Schluss mit lustig. Studien gehen von einer maximalen Aufmerksamkeitsspanne zwischen 15 und 20 Minuten aus. Dies ist auch der Grund warum immer mehr Veranstaltungen, wie die bekannten TED-Talks, auf entsprechende Zeitfenster begrenzt werden. Zu beobachten ist jedoch häufig genau das Gegenteil. Präsentationen ziehen sich in die Länge. Wichtige Informationen gehen unter.

Lassen Sie unwichtige Informationen deshalb ganz bewusst aus und konzentrieren Sie sich bei Ihrem nächsten Vortrag ausschließlich auf das Wesentliche. Dies ist nicht nur für den Zuhörer, sondern auch für Sie als Redner von Vorteil. Das Herunterbrechen verlangt nämlich eine intensive Auseinandersetzung mit der eignen Arbeit und bringt möglicherweise die ein oder andere Erkenntnis mit sich.

Tipp 6: Vortrag interaktiv gestalten

Für eine erhöhte Aufmerksamkeit können Sie auch sorgen, indem Sie die Zuhörer in den Vortrag einbinden und diesen das Gefühl geben, Teil der Geschichte zu sein. Neben dem Stellen von Fragen oder dem Einfordern von Feedback, spielt hier auch die Umgebung bzw. das Format eine zentrale Rolle. So bietet sich bei kleineren Gruppen beispielsweise ein Tisch an, der den persönlichen Kontakt erlaubt und genug Plätz bietet, um Pläne auszubreiten, parallel Skizzen zu erstellen oder Modelle direkt zu verändern.

Empfehlenswert ist es, gleich am Anfang darauf hinzuweisen, das Fragen und Feedback erwünscht sind und am besten auch, worauf sich diese beziehen sollten. Damit lässt sich vermeiden, dass vom Thema abgewichen wird und die Reihenfolge durcheinander gerät.

Tipp 7: Sich vorher mit seinen Kollegen abstimmen

Gerade bei Gesprächen mit Bauherren kommt es häufig vor, dass diese zusammen mit Kollegen abgehalten werden. Und leider kommt es in diesem Zusammenhang auch immer wieder zu Konflikten bzw. Missverständnissen. Der Grund hierfür: Es wird sich nicht gemeinsam vorbereitet. Ansätze werden nicht miteinander verglichen.

Räumen Sie interne Meinungsverschiedenheiten deshalb rechtzeitig aus dem Weg oder verschieben Sie diese auf nach dem Gespräch. Kein Kunde will Teil eines internen Konflikts sein. Dies kann schnell nach hinten losgehen und zu einem Vertrauensverlust führen. Selbiges gilt für sonstige Probleme die während Präsentationen auftreten.

Tipp 8: Übung macht den Meister

Zu guter Letzt gilt auch beim Präsentieren der Grundsatz: Übung macht den Meister. Damit ist sowohl eine ausreichende Vorbereitung, wie auch das Ausprobieren neuer Techniken und Methoden gemeint. Gerade bei größeren Zuschauerzahlen wachsen bei vielen Rendern die Bedenken und Selbstzweifel. Teilweise werden Anfragen bzw. Präsentationsmöglichkeiten aus genau diesem Grund fallen gelassen.

Lassen Sie sich von Ihren Zweifeln nicht herunterkriegen und nutzen Sie jede Möglichkeit, Ihre Fähigkeiten zu testen und weiter auszubauen. Probieren Sie verschiedene Herangehensweisen und Medien aus, Beobachten Sie die Reaktionen der Zuschauer und scheuen Sie sich nicht, nach Feedback zu fragen.

Die acht Tipps im Überblick

 

  • Tipp 1: Auf die Zielgruppe eingehen
  • Tipp 2: Neuer Vortrag, neues Medium
  • Tipp 3: Mit Storytelling im Gedächtnis bleiben
  • Tipp 4: Zu 100 % vom Inhalt überzeugt sein
  • Tipp 5: Auf das Wesentliche konzentrieren
  • Tipp 6: Vortrag interaktiv gestalten
  • Tipp 7: Sich vorher mit seinen Kollegen abstimmen
  • Tipp 8: Übung macht den Meister

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